Erschöpft, was nun?

Nicole Wuttig

Weniger Müssen, mehr Raum ... für Gelassenheit.

Entspannt ein Buch lesen. Absichtslos, nur um das Lesens an sich.

In unserer digitalen und schnelllebigen Zeit ist echte Erholung für viele Menschen in unserer Gesellschaft Mangelware. Tiefe Erholung ist die Voraussetzung für unser Wohlgefühl im und mit dem eigenen Leben. Lass uns einmal genauer hinschauen und verstehen, was der Erholung vielleicht im Wege steht.


Erholung beginnt damit, dass du Dir zuhörst.


"Meine Akkus sind leer. Seit Wochen habe ich das Gefühl, die Tage enden nicht. So viele Dinge zu erledigen, so viele Themen zu managen, jeder will etwas, 1000 Termine. Ich nehme mir vor etwas für mich und etwas für meine Gesundheit zu tun. Nächster Termin: Fitnessstudio. Pilates, Laufband und ein bißchen Kraft. „Fühlt sich nicht so gut an wie erhofft“, denke ich, mache aber weiter. Ich darf mich nicht so anstellen und komme wieder. Ein paar Wochen läuft das so. Ich komme nicht in Schwung, sondern verliere ihn.


Meine Erschöpfung bleibt, ich habe das Gefühl, sie wohnt jetzt permanent bei mir. Anfangs dachte ich, sie besucht mich mal eine oder zwei Wochen lang, als sie Wochen später immer noch in mir wohnte, wurde ich aufmerksam. Jetzt begann das volle Programm: Meditation, Spazieren gehen, Yoga, Wohlfühlbad, Grüne-Drinks. "Ich machte alles richtig", dachte ich. Erholt fühlte ich mich dennoch nicht."  


Kennst du das, wenn Erholung nur ein weiteres To-Do auf deiner eh schon viel zu vollen Liste wird?


Wenn wir uns erschöpft fühlen und müde sind, dann haben wir vielleicht einfach zu viel auf dem Tablett. Und dann kann der erste Schritt nicht sein, noch etwas mehr vom Anderen vermeintlich Gutem draufzulegen, in der Hoffnung, dass sich das Tablett dann weniger schwer anfühlt. Natürlich können wir lernen, mit Stress umzugehen. Aber wer dauerhaft zu hoch belastet ist, der darf als erstes die Belastung reduzieren.


Energie in dir - deine Lebenskraft


Daneben hilft es enorm seinen eigenen Energiehaushalt kennenzulernen. Energie wird in unserem Körper freigesetzt. Sie ist in unserem Körper gespeichert und sie ist begrenzt, so wie der Kraftstoff in einem Autotank.


In dem Moment wo du aktiv etwas tun möchtest, aufstehen, nachdenken, arbeiten oder interagieren, wird Energie dafür in deinem Körper frei, zumindest sofern du noch Energie hast. Der Kraftstoff wird verbraucht. Der Tank leert sich. 


Erholung ist ein natürliches Bedürfnis.


Fährst du danach an die Energietankstelle und erholst dich ausreichend, ist alles gut. Bleibt das regelmäßig aus. erschöpfst du. Erschöpfung ist ein gesellschaftlich relevantes Thema. Umfragen und die Krankenstatistik zeichnen ein eindeutiges Bild. Es scheint, als wüssten viele nicht mehr, wie sie sich erholen können, obwohl die Achtsamkeits- und Wohlfühlindustrie boomt. Wie kann das sein?


Wie und wobei erholst du dich am Besten? Was gibt dir gute Energie?


Was wir häufig beim Thema Entspannung und Erholung übersehen, ist das „Müssen“ hinter all dem „eigentlich“ Richtigen. Die kleine Anekdote am Anfang dieses Artikels erzählt davon.


Wenn die Perfektionistin oder der Kontrolletti in uns meditiert, "so wie es sich gehört, damit nun endlich mal die Entspannung oder die innere Ruhe eintritt", dann steckt dahinter die Haltung, dass ich mit der Meditation unbedingt etwas erreichen muss.


Das legitime Vorhaben, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, die Augen zu schließen und absichtslos nichts zu tun, wird ausgeweitet in dem ich jetzt so meditieren muss,

  • dass ich beispielsweise innerlich ruhig werde,
  • keine oder gute Gedanken habe,
  • meiner Atmung folge oder
  • mich im Anschluss direkt besser fühle.


Gelingt das nicht, entsteht in dem Moment der nächste Stress in mir, weil ich mein Ziel vielleicht nicht (gleich) erreicht habe. Still und heimlich leert sich mein Energieakku in solchen Momenten weiter. 


Wenn ich jede Woche meine halbe Stunde spazieren gehe, damit mein hoher Blutdruck sinkt, weil mein Arzt meinte, das solle ich jetzt mal häufiger einbauen, dann ist das solange eine gute Idee, bis sie zur weiteren Pflicht wird und damit zur Belastung.


So schlimm das für viele klingt, die in jeder Situation gern alles kontrollieren wollen oder bis in den letzten Winkel des eigenen Lebens Sicherheit bevorzugen, innere Ruhe und Entspannung lässt sich nicht erzwingen. 


Dieser innere Druck, der entsteht wenn ich denke, ich muss das jetzt machen, damit ich: 

  • gesund werde, 
  • entspanne,
  • zur Ruhe komme,
  • weniger grübele, 
  • tiefer schlafe,
  • mir weniger Sorgen mache,
  • weniger Angst habe, 
  • mich bewegt habe, 
  • es mir gut geht,

führt dazu, dass unser Stresssystem aktiv bleibt. Die ersehnte Ruhe, die wohlverdiente Pause, die wirkliche Erholung bleibt aus, solange der innere Druck die Absicht bestimmt. 


Wie tanke ich nun Energie auf?


Absichtslos. Du tust etwas und zwar einfach so. Ohne ein konkretes Ergebnis anzustreben. Das, was du für dich als Pause, Entspannung oder Erholung wählst, ist der Raum, den du zur Verfügung stellst. Und in diesem Raum kann dein Körper regulieren. Du tust etwas, um der Sache willen, nicht für das Ergebnis. Regeln, Ergebnisvorstellungen und Erwartungen sind in diesem Moment kontraproduktiv. Weil hier der Geist die Kontrolle behalten oder übernehmen möchte. Der Körper braucht diese Kontrolle aber nicht. Er weiß instinktiv, wie er entspannen kann. Er braucht nur die Freiheit es tun zu dürfen.


Es geht also - wie so oft im Leben - darum zu lernen, loszulassen. In diesem Fall damit die Anspannung gehen und die Erholung einsetzen kann.


Du möchtest lernen gut mit deiner Energie umzugehen?

Hinter jedem langfristigen „Gestresst-Sein“ verbirgt sich ein Müssen. Wenn du bereit bist, die Landkarte deiner Müssen- und Sollen-Muster zu erforschen und dich von eigenen und fremden Erwartungshaltungen zu lösen, begleite ich dich gerne dabei:


1:1 Coaching: Wir schauen uns ganz individuell an, wo du gerade feststeckst und wie du wieder in deine volle Klarheit und Selbstwirksamkeit kommst.

Mini-Kurse (On-Demand)
: Lerne in deinem eigenen Tempo, wie du Grenzen setzt und alte Muster auflöst – mit meinen kompakten digitalen Inhalten.


von Nicole Wuttig • 24. März 2026
Ich sitze mit einer Bekannten zusammen, wir trinken Kaffee, es ist ruhig, gemütlich still zwischen uns. Dann sagt sie: „Ich war noch nie so glücklich wie jetzt. Ich gehe früh schlafen, lese abends, mache es mir zuhause schön. Ich bin gern für mein Kind da. Ich arbeite – und ehrlich gesagt habe ich kaum Freunde. Nicht, weil ich niemanden mag… aber ich treffe einfach selten Menschen, die ähnlich leben oder ähnliche Prioritäten haben.“ Sie lächelt dabei. Und dann ändert sich etwas. „Früher war ich ständig unterwegs. Restaurants, Cafés, Tanzen, Shoppen, Leute treffen, immer irgendwas los. Von außen ein volles Leben. Und heute sagen manche alte Freunde zu mir: Du musst mal wieder unter Leute gehen, du erlebst ja gar nichts Spannendes mehr. Aber wer sagt denn, dass ein erfülltes Leben immer laut oder spannend sein muss? Diese Beurteilungen nerven mich.“ Was ist hier gerade passiert? Ich sage erstmal nur: „Hmm.“ Während meine Bekannte spricht, höre ich zwei Dinge gleichzeitig: Da ist eine Frau, die ziemlich klar spürt, was ihr guttut. Mit sich und ihren Bedürfnissen in Verbindung ist. Und da ist gleichzeitig eine Frau, die sich daran reibt, dass andere das anders sehen. Die sich hier getriggert fühlt. Ein Trigger tut erstmal weh und das ist okay. Der Wunsch nach dem "Richtig-Stempel" Wir wünschen uns so sehr, dass andere Menschen unser Leben akzeptieren. Unsere Entscheidungen. Unser Tempo. Im Grunde ist es fast der Wunsch zu hören: "So, wie du es machst, machst du es richtig." Meine Bekannte hört in den Aussagen einen versteckten Appell: " Du sollst dein Leben ändern." und fühlt sich angegriffen . Aber was wäre, wenn sie diesen Appell dankend ablehnt? Oder es vielleicht gar keinen gibt? Was, wenn da einfach nur zwei verschiedene Blickwinkel auf die Welt existieren – ohne Richtig oder Falsch? Die Chance im Trigger Wenn du wirklich bei dir bist, dürfen andere anders denken. Dann dürfen sie sogar nicht verstehen - ohne, dass es dich stört. Ein Trigger entsteht erst dann, wenn eine Aussage in dir in Resonanz geht. Wenn es in dir, vielleicht ganz unbewusst, einen Teil gibt, der insgeheim auch denkt: „Vielleicht sollte ich wirklich mehr erleben...“ Auch wenn Trigger anfangs schmerzen: Sie sind eine Einladung deines Lebens. Sie zeigen dir: Wo du noch nach Zustimmung im Außen suchst. Wo du ein altes Muster lebst, das dir nicht mehr dient. Wo du eine Grenze setzen oder klarer zu dir selbst stehen darfst. „Wenn die Notwendigkeit verschwindet, von anderen verstanden zu werden, beginnt die wahre Freiheit, sich selbst zu verstehen.“ Du möchtest deine Trigger verstehen lernen? Hinter jedem „Genervt-Sein“ verbirgt sich ein Wegweiser zu deiner inneren Klarheit. Wenn du bereit bist, die Botschaften deiner Emotionen zu entschlüsseln und dich von der Erwartungshaltung anderer zu lösen, begleite ich dich gerne dabei: 1:1 Coaching: Wir schauen uns ganz individuell an, wo du gerade feststeckst und wie du wieder in deine volle Klarheit und Selbstwirksamkeit kommst. Mini-Kurse (On-Demand) : Lerne in deinem eigenen Tempo, wie du Grenzen setzt und alte Muster auflöst – mit meinen kompakten digitalen Inhalten.
von Nicole Wuttig • 19. März 2026
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt: Diese Stimme ist noch da. Nicht ganz so laut vielleicht. Aber spürbar. Und vielleicht fragst du dich: „Wie gehe ich jetzt damit um?“ Die Klientin saß einige Wochen später wieder vor mir. „Ich verstehe jetzt, woher diese Stimme kommt“, sagte sie. „Aber sie ist trotzdem noch da.“ Sie erzählte von einer Situation in ihrem Job. Sie arbeitete an einer wichtigen Vorstands-Präsentation, die sie halten sollte. Und sofort kam wieder dieser Gedanke in ihr auf: „Du solltest das perfekt machen.“ Sie merkte, wie sich ihr Körper anspannte. Wie ihr Atem flacher wurde. Wie dieser alte Druck zurückkam. Doch diesmal hielt sie bewusst inne, sie nahm die Veränderungen wahr. Sie wusste, dass die Stimme eigentlich eine gute Absicht hatte. „Bevor mir das bewusst war, hätte ich einfach weitergemacht“, sagte sie. „Ich hätte noch mehr gemacht. Noch länger. Noch perfekter.“ Kurze Pause. „Und mich dabei komplett verloren.“ Diesmal war es anders. Sie lehnte sich zurück. Schloss für einen Moment die Augen. Atmete einmal durch. Und sagte leise zu sich selbst: „Okay… ich höre dich. Ich möchte auch ein gutes Ergebnis. Ich mache das, was heute drin ist." „Es war, als hätte ich plötzlich einen kleinen Abstand und eine gewisse Souveränität in mir selbst dazu gewonnen“, sagte sie. „Als würde mich die Stimme nicht mehr komplett kleinmachen.“ Und dann kam ein neuer Gedanke. Ganz leise: „Ich kann das Schritt für Schritt machen. Und das ist okay.“ Ich habe sie gefragt, wie sich dieser kleine Erfolg angefühlt hat. Und nachdem sie mir ihre Erleichterung darüber erzählt hat, folgendes angeboten: „Was, wenn du dieser Stimme einen wertschätzenden Ton, eine wohlwollendere Haltung beibringst?“ Vielleicht erinnerst du dich: Diese Stimme ist geprägt. Sie ist nicht einfach „du“. Sondern ein inneres Muster aus Erfahrungen, Erwartungen und alten Rollen. Und genau deshalb ist sie veränderbar. Unsere inneren Anteile verschwinden nicht. Aber sie können lernen. Statt: „Ich müsste das perfekt machen.“ entsteht vielleicht: Ich will das gut machen. Ich darf dazulernen. Ich kann meinen Weg finden und dabei Fehler machen. Ich werde eine Lösung finden. Vier Worte, die etwas in dir verschieben: wollen dürfen können werden Diese Worte führen dich zurück in deine Handlungsfähigkeit. In deine Selbstwirksamkeit. Und genau dort entsteht etwas, das viele lange vermissen: Leichtigkeit Nicht, weil alles einfacher wird. Sondern weil du dich anders in dir selbst erlebst. Auch dein Körper reagiert darauf: Diese Form von Sprache aktiviert Bereiche im Frontallappen, die mit Motivation, Klarheit und Handeln verbunden sind. Du kommst raus aus dem inneren Druck – und hinein in Bewegung. Und je öfter du diese Worte nutzt, desto mehr verändert sich dein inneres Bild von dir. Und damit auch dein "kritischer" Blick auf dich selbst. Vielleicht magst du heute einmal darauf achten, wann in dir ein „Ich müsste…“ auftaucht. Und dann sanft fragen: Was würde passieren, wenn daraus ein „Ich kann…“ wird? Oder ein „Ich darf…“? Nicht als Druck. Sondern als Einladung. Eine Einladung darfst du auch ablehnen, wenn es mal nicht passt. ;) Es geht vielleicht nicht darum, deine inneren Stimmen loszuwerden. Sondern darum, dass sie lernen, so mit dir zu sprechen, dass sie dich unterstützen.
von Nicole Wuttig • 19. März 2026
Kennst du diese leise Stimme in dir, die plötzlich ganz laut wird? Die sagt: „Das hättest du besser machen müssen.“ „Du solltest dich endlich mehr zusammenreißen.“ „So kannst du doch nicht weitermachen.“ Vielleicht kommt sie nach einem Gespräch. Nach einem Arbeitstag. Oder einfach dann, wenn es kurz still wird. Und irgendwie fühlt sie sich… vertraut an. Fast so, als würde sie zu dir gehören. Eine Klientin saß mir gegenüber und sagte: „Ich habe das Gefühl, ich mache ständig etwas falsch.“ Sie erzählte von einem Gespräch mit ihrem Chef. Eigentlich war nichts Dramatisches passiert. Und doch lief danach in ihr ein innerer Film: „Du hättest dich besser durchsetzen müssen. W arum sagst du nie klar, was du willst?, Andere kriegen das doch auch hin.“ Ein paar Tage später, zeigte sich die Stimme in einem ganz anderen Moment. Sie stand morgens vor dem Spiegel. Und wieder diese Gedanken: „Du solltest mal wieder mehr auf dich achten. So kannst du dich doch nicht gehen lassen.“ Sie hielt kurz inne. Und sagte dann einen Satz, der hängen blieb: „Ich bin nie wirklich zufrieden mit mir. Immer habe ich etwas an mir rum zu kritteln. Ich will am liebsten, dass diese Stimme ein für alle mal weggeht.“ Im Coaching habe ich sie gefragt: „Was, wenn diese Stimme, diese Gedanken nicht dein Problem sind?“ Stille. Irritation. Und dann diese leise Frage: „Wie meinst du das?“ Vielleicht hilft dir ein Gedanke, der für viele Frauen eine große Erleichterung ist: Viele Frauen erleben diese Form von Selbstkritik sehr intensiv und häufig. Und sie ist einer der größten Faktoren für inneren Druck. Aber entscheidend ist nicht, welche Stimme du hörst bzw. welche Gedanken du hast, sondern: Wie du damit umgehst. Was, wenn diese Stimme nicht gegen dich arbeitet – sondern für dich? Vielleicht ist die Frage also gar nicht: Wie werde ich diese Stimme los? Sondern: Wem gehört diese Stimme eigentlich? Und was versucht sie für dich zu tun? Oft erkennen wir unbewusste Prägungen an diesen Worten: hätte sollte müsste Kommen diese Worte häufig in den Sätzen vor, die du innerlich hörst, hast du ein Anzeichen dafür, dass das, was sich hier in dir zeigt, etwas ist, dass du übernommen hast. Die Anteile tragen selten deine eigene Wahrheit. Sondern eben Erwartungen anderer. Alte Maßstäbe bspw. von Beziehungspersonen Eltern, Lehrer, Freunden - dem Umfeld in dem du groß geworden bist ... Die Botschaften, die zwischen den Zeilen liegen können lauten: "Beeil dich.", "Sein angepasst.", "Mach es richtig." oder "Streng dich mehr an." Das Paradoxe ist, dass sich diese Gedanken einerseits vertraut anfühlen, weil sie uns schon so viele Jahre begleiten und andererseits nicht wirklich stimmig sind in unserem Erleben und wir sie am liebsten weg haben wollen. Aber alles, wogegen wir in den Widerstand gehen, wird sich eher verstärken, vor allem in stressigen Zeiten, wenn unser Nervensystem auf alt bekannte Muster zurückgreift, um Energie zu sparen. Im Coaching arbeite ich deshalb oft nicht dagegen. Sondern mit der Stimme, dem Gedanken, dem Gefühl oder der Haltung. Äußern können sich diese übernommenen Prägungen nämlich auf vielerlei Weise. Ich lade meine Klientinnen ein, die inneren Anteile sichtbar zu machen. Stell dir vor: Du sitzt an einem großen Tisch. Am Kopfende. Vor dir notierst du auf einem A4 Blatt, die verschiedenen Anteile, die dich häufig begleiten. Die, die dich bestärken und die, die dich schwächen. Da kommen Begriffe, wie: die Kritikerin die Perfektionistin die Starke die Leise die Sportliche die Erschöpfte die Überforderte die, die endlich für sich einstehen möchte ... Vielleicht auch Anteile, die du bisher gar nicht sehen wolltest. Sie nutzen Sätze, die so oder so ähnlich klingen: „Ich müsste…“ das besser im Griff haben. endlich strukturierter sein. mehr schaffen als das, was ich bisher geschafft habe. mich mehr zusammenreißen. -> die Energie dahinter: Druck, Kontrolle, „nicht genug sein“ „Ich sollte…“ mich nicht so anstellen. dankbarer sein. mehr auf mich achten. mich nicht so fühlen. das doch längst gelernt haben. -> Energie dahinter: Bewertung, Anpassung, moralischer Anspruch „Ich hätte…“ das anders sagen müssen. mich mehr durchsetzen sollen. das kommen sehen müssen. früher reagieren müssen. einfach besser sein müssen. -> Energie dahinter: Rückblick, Schuld, Selbstvorwurf Vielleicht erkennst du Gedanken in dem einen oder anderen Satz wieder. Und spürst die Energie dahinter deutlich: als Enge im Brustkorb, Druck im Kopf, flacher Atem, inneres Zusammenziehen. Und vielleicht merkst du auch: Diese Sätze haben etwas gemeinsam. Sie lassen dir keinen Raum, so zu sein, wie du gerade bist. Sie erzeugen kein Mitgefühl. Sie werten ab. Dich, dein Verhalten oder auch andere. An der Stelle stehst du vom Tisch auf und trittst einen Schritt zurück. Du nimmst eine Metaperspektive ein. Beobachtest. Du schaust auf diesen Tisch. Auf dieses innere System, was in dir wirkt. Und plötzlich wird aus den unzähligen Gedanken ein Zusammenhang. Wenn meine Klientinnen beginnen, in diese Anteile hinein zu spüren, kommen oft Sätze wie: „Eigentlich will dieser Anteil mich schützen.“ „Er hat Angst, dass ich Fehler mache.“ „Oder dass ich Ärger bekomme.“ „Oder dass jemand meine Grenzen überschreitet.“ „Er will mir Enttäuschung ersparen.“ Und genau hier entsteht etwas Neues. Nicht plötzlich, nicht laut, sondern leise. Du lehnst nicht ab, weder dich, noch den Anteil oder den Gedanken in dir. Du gehst nicht in den Widerstand. Du nimmst erstmal nur wahr. Du hältst den Raum für dich. Vielleicht magst du heute einmal innehalten, wenn dieses „Ich sollte…“ oder „Ich müsste…“ auftaucht. Und dich leise fragen: Ist das wirklich meine Stimme? Oder eine, die ich irgendwann übernommen habe? Welcher Name könnte zu ihr passen? Wofür könnte sie in mir sein? Was könnte ihr "Auftrag" sein? Und vielleicht entsteht genau dort der erste Moment von Klarheit und mehr innerer Ruhe.
Das Bild zeigt eine Not-to-do Liste für mehr Leichtigkeit im Alltag und weniger  Perfektionismus.
von Nicole Wuttig • 19. März 2026
Was könnte auf deiner persönlichen Not-to-do-Liste stehen?